Zitat Zitat von Hermes 123 Beitrag anzeigen
Hallo!
Ich bin sehr über dein Statement erfreut, - eine klare Ansage. Wien - Edirne (~1340km) wären das ~670,-- EURO, also das wäre uns das wert. Wer diese Strecke schon mal gefahren ist, weiß was da los ist. Apros pos Tunnelprofil: Früher musste man im Nisevatal zwischen Nis und Pirot (schwierige Topografie, enges Tal), mit größeren Fahrzeugen in der Tunnelmitte fahren (es sind sehr viele Tunnels) Die Serben haben vor ca 5 Jahren mittels einer Schablone bei allen Tunnels ein neues Profil (Korbbogen, Ellipse) aus dem gewachsenen Fels gestemmt. jetzt ist die Straße relativ bequem befahrbar. Das geht natürlich nur bei der Straße bei der Bahn geht das nicht weil, bla bla bla (Polemik ist mir durchaus nicht fremd, bringt aber nix!).
Ich war schon ein bißchen verzweifelt über dieses Forum. denn entweder wird haarklein erklärt warum es NICHT geht, bzw. nicht gehen kann oder es geht um die ÖBB Pensionisten - das sind doch alles - aus meiner Sicht - keine konstruktiven Beiträge. Viel interessanter wären Lösungsvorschläge: Was müsste geschehen, wie könnte es funktionieren, welcher Vorraussetzungen bedarf es?
Wieviele müßten das in welchem Zeitraum wollen, was müsste die Fahrt kosten um rentabel zu sein, etc. HIER wären "Experten" gefragt, allerdings haben die sich auch schon oft getäuscht und wurden von der Realität überrascht, wie die Geschichte zeigt.
Das es diese rege Teilnahme an der Diskussion gibt, zeigt teilweise ja schon das Interesse an der Problematik.
Nachdenken ist gefragt.
LG
Hallo Hermes,

Zuerst hoffe ich einmal, dass das hier im Forum übliche "Du" OK ist. Bei einer offiziellen Stellungnahme über die ÖBB ist das natürlich was Anderes...

Ja, es ist schon so (und mir geht es im Job nicht anders): Für irgend ein Vorhaben werden in Minutenschnelle 100 Gründe gefunden, warum etwas NICHT geht, dabei genügt oft ein einziger Grund, warum etwas DOCH geht ;-) Internetforen spiegeln aber aus meiner Sicht das wirkliche Leben und die Menschen wieder. Es wird uns wohl nichts anderes übrig bleiben, als dies zu akzeptieren. Dazu kommt der Faktor einer gewissen Anonymität, der eben auch ein paar Trolle anlockt. aber ich finde, das ist in anderen Foren noch weitaus schlimmer.

Zurück zum Thema.

Einen Zug bis Edirne würde ich mir ehrlich gesagt organisatorisch nicht antun, schon gar nicht über die Balkanroute. Es wäre bei weitem einfacher, einen Verladebahnhof zwar an der türkischen Grenze, aber noch in Bulgarien zu wählen. Route Ostösterreich (muss nicht Wien sein) - Budapest - Arad - neue Donaubrücke Vidin - Sofia - Raum Dimitrovgrad. Man bleibt die ganze Zeit in der EU, auch wenn man dann weiter nach Griechenland fährt. Um die Einreiseformalitäten in die Türkei muss sich dann jeder selbst kümmern. Aber das muss er auch auf der Straße.
Die Balkanroute scheidet für mich auch mittel und langfristig aus. Die Schieneninfrastruktur des Westbalkans ist im Grunde schon ab dem Karawankentunnel völlig desolat. Der Eisregen in Slowenien und das verheerende Hochwasser im Frühjahr haben den Zustand der Bahnstrecken noch einmal deutlich verschlechtert.

Das Thema Nachfrage/Auslastung ist natürlich entscheidend. Theoretisch -abhängig von den verwendeten Transportwagen -ist eine max. Zuglänge mit Platz für ca. 40 WOMO Stellplätzen möglich. Dazu noch 3 Schlafwagen und ein Speisewagen... In dieser Größenordnung müsste sich bei einem Endkundenpreis von 600-700€ auch die Auslastung bewegen. Um eine brauchbare Nachfrage aus zu lösen, muss der Zug über die Sommersaison, sagen wir 14 Wochen, zumindest 1x/Woche verkehren. Bedeutet ca. 550 Buchungen H+R (1.100 Einzelbuchungen). Diese Nachfrage gibt es Richtung Türkei vermutlich nicht. Wenn ich aber die Schwarzmeerküste, die ja gar nicht soweit ist, und Griechenland mit einbeziehe, sieht es schon anders aus, insbesondere, wenn ich Bayern als Quellmarkt mit ein beziehe...

Ich will jetzt keine falschen Erwartungen wecken, aber ich habe in einem früheren Beitrag versprochen, an dem Thema dran zu bleiben. Daran hat sich nichts geändert.

PS: Bitte nicht falsch verstehen - ich beschäftige mich mit dem Thema in meiner Freizeit und spreche daher nicht als "Vertreter der ÖBB".