Hallo!

Zu den schlechten Fähren-Erfahrungen: Ja, die haben wir zunehmend gemacht. Vor der Krise sind die Schiffe in der Hauptsaison knallvoll im Pendeldienst gefahren, auch die Häfen waren mehr oder weniger voll von ihnen. Damals hat die Konkurrenz noch funktioniert, und man bekam für das, was man bezahlt hat, auch noch etwas. Zu mindestens haben sie sich halbwegs bemüht.

Dann haben die Schiffahrtsgesellschaften den wirtschaftlichen Druck nicht mehr ausgehalten und fusioniert. Und, ganz seltsamer Zufall, wie es nur mehr 2 Gesellschaften gegeben hat, sind die Preise in die Höhe geschossen. In unserem Fall, Gespann mit sehr kompaktem Wohnwagen, hat das ziemlich genau 80% Preissteigerung ausgemacht. (Wahrscheinlich haben sie sich gedacht, "die Wohnwagen-Fahrer müssen eh die Fähre nehmen".) Gleichzeitig ist die Qualität der Service-Leistungen an Bord drastisch gesunken. Das Essen im Restaurant z.B. wurde immer mehr zur Zumutung. Ich bin nun wirklich nicht sehr heikel, aber was ich da schon am Teller gefunden habe, spottet jeder Beschreibung. Gut.
Da diese eklatante Preissteigerung genau im Katastrophenjahr des griechischen Tourismus gebastelt wurde (eine taktische Glanzleistung), sind die Buchungen weg gebröselt wie nur irgend möglich. Viele Urlauber hatten Angst, im bankrott gehenden Griechenland in der Falle zu sitzen, und die anderen haben auf die neuen, sehr hohen Preise reagiert -und sind wo anders hin gefahren. Das haben, denke ich, die Herren in den Managements nicht so ganz bedacht.

Seitdem sinken die die Leistungen der Gesellschaften (es ist, soweit ich das überblicken kann, ziemlich egal, welche, sie sind alle ziemlich grindig) kontinuierlich ab, während die Preise weiter steigen. (Diesen Sommer haben wir für 1 Rückfahrt alleine fast genau 800€ bezahlt, ein paar Jahre davor haben wir dafür, oder vielleicht für etwas weniger eine Hin- und Rückfahrt bekommen.) Die Schiffe werden immer jämmerlicher, was ihren Zustand angeht. Ein bisschen Lack über die schlimmsten sichtbar schlechten Stellen, oder etwas Leukoplast über die größten Löcher und geht schon!

In diesem Jahr wurden wir auf der Heimfahrt (Hinfahrt wieder über Albanien) in ein stickiges, stinkendes Eck neben der Müllpresse eingewiesen, dort mussten wir mit Camping on Board bleiben. (Klar, wir hätten auch versuchen können, auf eine Kabine auf zu zahlen. Aber viel hätten wir dabei nicht gewonnen.) Mit unserem Nachbarn konnten wir uns um die Blume des grausligsten Platzes "streiten": Wir hatten den Müllberg mit seinem Gestank direkt vor der Türe und nicht den geringsten Luftzug (der Gestank blieb uns noch Tage danach in der Nase!), die Nachbarn hatten zwar Ausblick auf das Meer, dafür einen Feuerwehrschlauch vor der Nase, aus dem auch nach der "Reparatur" Fäkalien träufelten. Überall am Camperdeck träufelte es immer wieder unvermutet herunter, manchmal anrüchig, manchmal nicht. Aber vielleicht waren wir schon so abgestumpft, dass wir den Gestank, der uns von oben beglückte, nicht mehr riechen konnten.

Das war das Ende unserer Versuche, mit der Fähre zu fahren. Mit einer Kabine hatten wir ein anders Mal auch keine besseren Erfahrungen. Da wir als Österreicher am Landweg recht günstig wohnen, und die Straßen inzwischen gut ausgebaut sind, wollen wir in Zukunft nur mehr am Landweg fahren. Der Zeitverlust ist relativ bescheiden (Ich rechne bei unserer Familie, die keine langen Tagesetappen fahren kann, mit 1, maximal 2 Tagen mehr), dafür kommen wir sicher erholter an, und Geld sparen wir auch noch. Auch die erfundenen Strafen und Mauten am serbischen Landweg sollen inzwischen stark abgenommen haben, die machen kaum mehr etwas aus, wie die anderen berichten. Auf der Albanien-Route haben wir nur gute Erfahrungen gemacht.

Zur Sicherheit: Wer den Unfall des Minoan-Schiffes nahe Korfu mit verfolgt hat weiß jetzt, wie schlampig die Herrschaften navigieren. Dort das Schiff, auf der immer gleichen, klar definierten Route auf einem Felsen auf zu setzen ist eine Leistung, die nicht jeder schafft. Danach haben sie offenbar lieber riskiert, alle absaufen zu lassen, bevor sie doch umgedreht sind, um im Hafen von Korfu anzulegen. Also auf die Sorgfalt der Besatzung können wir gar nichts geben.
Natürlich kannst du am Landweg auch Pech haben, und du fährst gerade "deinem" Raser vor die Stoßstange. Die Kilometer, die wir am Landweg mehr zu absolvieren haben, sind 1200 bis 1300 gegenüber der für uns längstmöglichen Fährpassage nach Venedig. Mit der Route Patras-Ancona würden wir nur mehr etwa 900km sparen. So viel ist das nicht mehr. Wenn ihr in Griechenland weiter oben bleiben solltet, verkürzt ihr auch diesen Strecke noch einmal deutlich.

Ich sehe die Entscheidung für oder gegen Fähre recht einfach: Jeder soll nehmen, was ihn am meisten freut oder am wenigsten stört. Wir tun uns die Fähre nicht mehr an. Dazu sparen wir uns am Landweg das Herumtüfteln, welche Fähre gerade noch Camping on Board frei hat und zur richtigen Zeit fährt. Auch das hat uns schon Urlaubstage gekostet, die wir nicht mehr ausnützen konnten. Und stressfreies Heimfahren am Schiff kenne ich nur mehr aus der Erinnerung. Aber vielleicht hatten wir in den letzten Jahren immer nur Pech?


lg!